KulturKino zwenkau

- so einmalig wie die Landschaft


 Generations-Theater-Projekt


Wir haben Brücken gebaut zwischen den Generationen.

 

Lebenswege.

 



Leipziger Volkszeitung vom 23.10.2012
„Es hat so unglaublich viel Spaß gemacht“
Umjubelte Theaterpremiere mit Laiendarstellern im Kulturkino Zwenkau: „Lebenswege“ – vier Freundinnen, zwei Gesellschaften, eine Stadt

Zwenkau. Premierenfieber herrschte am Freitagabend im gut besuchten Kulturkino Zwenkau. Das Theaterstück „Doch das Kino gibt es noch! Lebenswege“ wurde uraufgeführt. Die Vorbereitungen dauerten ein Jahr – „mit Höhen und Tiefen“, wie Steffen Wieser von der Kulturinitiative gestand. Doch das ist nicht ungewöhnlich. Schließlich hat Regisseurin Angelika Frenzel alles mit ihren acht Laiendarstellerinnen – vier Teenagern und vier gestandenen 40-Plus-Frauen – gemeinsam erarbeitet – von der Idee bis zur Bühnenreife.

Im Mittelpunkt stehen die Freundinnen Dagi, Gabi, Martina und Monika. Ein Kleeblatt das nicht unterschiedlicher sein könnte: ernsthaft, verrückt, nachdenklich und forsch. Aber ungemein lebensfroh. 1974 – Zwenkau feiert offiziell 25 Jahre DDR, inoffiziell sein 1000-jähriges Bestehen – machen sich die jungen Frauen schick für die Disco im Klubhaus Freundschaft. Noch sind sie unbelastet, interessieren sich für Mode und die erste Liebe. Politik scheint fern. Doch das ändert sich rasch. Eythra soll der Braunkohle geopfert werden. Hunderte Menschen verlieren ihre Heimat. Da kann die in der Jungen Gemeinde aktive Martina nicht wegschauen. Anders Moni, die arbeitet sich Anfang der Achtziger von der Klappenschlägerin zur Brigadeleiterin im Tagebau hoch, ist alleinerziehende Mutter und gibt der Stasi einen Tipp. Dagis Bruder, der in den Westen „abhauen“ wollte, wird verhaftet.

Gut 30 Jahre später treffen sich die Frauen im Kulturkino, dem einstigen Klubhaus wieder. Krankenschwester Martina leitet ein Altenheim, Kassiererin Dagi ist Oma, Moni arbeitslos und Gabi aus ihrer neuen Heimat Australien angereist. Gemeinsam erinnern sie sich an glückliche und traurige Momente und sind sich einig – trotz „schwarzer Löcher“ sind sie noch Freundinnen.

Das Publikum, darunter auch die Familien der Darsteller und Mitglieder des Heimatvereins, war begeistert und belohnte die akribische Recherche und das engagierte Spiel mit viel Applaus. Aber auch Regisseurin Frenzel war hin und weg. „Ich habe wahnsinnig gern mit euch gearbeitet und große Lust weiterzumachen“, meinte sie bei der Premierenfeier. Das kam bei ihren Schauspielerinnen gut an. „Es hat so unglaublich viel Spaß gemacht, dabei bin ich durch puren Zufall ins Casting geraten“, gestand die 61 Jahre alte Isolde Steinmetz, die die Rolle der erwachsenen Moni übernommen hatte. „Wir haben viel über die Lokalgeschichte erfahren. Einiges wissen nicht mal unsere Eltern, weil sie erst nach der Wende nach Zwenkau gezogen sind“, berichtete die 16-jährige Lisa Kaulfuß alias Gabi.

Tipp: Am 3. November werden die „Lebenswege“ noch einmal im Kulturkino gezeigt. Los geht es um 20 Uhr. Karten kosten fünf Euro.    Ulrike Witt